01.10.2020

Megalithgrab in der Wewelsburg

Übergabe der Rekonstruktionsgrafik an das Kreismuseum Wewelsburg, v. l. n. r. Sven Spiong, Leo Klinke, Kirsten John-Stucke und Louise Tharandt (Foto: © Kreismuseum Wewelsburg).

Am 17.09.2020 wurde eine Ausstellungstafel zum Megalithgrab Wewelsburg II dem Kreismuseum Wewelsburg für das Historische Museum des Hochstifts Paderborn übergeben. Bei “Wewelsburg II” handelt es sich um ein etwa 5000 Jahre altes Großsteingrab der Wartbergkultur, das in der Nähe der Wewelsburg bei Büren (Kreis Paderborn) liegt. Auf dieser neuen Informationstafel werden die Fundgeschichte des Grabes und Informationen zum Aufbau der Grabanlage erläutert, zudem visualisiert eine Grafik das rekonstruierte Megalithgrab.

Seit 2018 beschäftigt sich die Altertumskommission für Westfalen mit diesem Großsteingrab, zuerst durch eine Lehrgrabung  (https://blog.altertumskommission.lwl.org/de/grabung-wewelsburg/), jüngst folgten geophysikalische Untersuchungen. Diese Ergebnisse der letzten Jahre konnten nun zusammengefasst und bildlich dargestellt dem Kreismuseum Wewelsburg als Ausstellungstafel überbracht werden.

Anlass der Übergabe der neuen Informationstafel war ein Vortrag zum Megalithgrab Wewelsburg II von Leo Klinke, dem Leiter des Megalithik-Projekts. Die neuen Ergebnisse der Grabung und der geophysikalischen Untersuchungen wurden bei diesem Vortrag, einer der ersten “live” Veranstaltungen der Wewelsburg seit den letzten Monaten, vorgestellt. Leo Klinke zeigte den interessierten ZuhörerInnen die angewandten Grabungstechniken und die virtuellen Untersuchungsmethoden, die durch moderne Grabungsverfahren möglich sind.

Virtuelle Rekonstruktion des Megalithgrabs Wewelsburg II (Foto: Altertumskommission für Westfalen/Louise Tharandt).

Durch die digitale Aufnahme der Grabung, insbesondere des Findlings, durch dessen Fund die Grabung angestoßen wurde, war eine digitale und wissenschaftlich basierte Rekonstruktion der Grabanlage möglich. Im Rahmen eines Praktikums bei der Altertumskommission für Westfalen in 2019 durfte ich eine 3D-Rekonstruktion des Megalithgrabes Wewelsburg II erstellen. Ziel der Rekonstruktion war eine bildliche Darstellung eines Querschnitts durch das Grab. Angefangen hat die Rekonstruktion mit dem Findling, da dieser schon als 3D Punktwolke durch die digitale Grabungsaufnahme vorhanden war. Der Megalith wurde nach einer Polygonreduktion, da die Aufnahme bei der Grabung in sehr hoher Qualität durchgeführt worden war, in das 3D Programm Cinema4D importiert. Nach der maßstabsgetreuen Wiedergabe des Findlings im Programm begann die Rekonstruktion des Megalithgrabes anhand der Planums- und Profilzeichnungen. Vor allem der Boden des Grabes, mit den vielen kleinen Granitsteinen, war schwer zu erstellen. Ein random-effect ließ die Steine am Ende aber wie zufällig auf dem Boden verteilt aussehen. Darauf folgte das Recherchieren und Ausprobieren der richtigen Texturen. Die gefundenen Kalk- und Granitsteine besaßen spezifische Farben, die so originalgetreu wie möglich wiedergegeben werden sollten. Als letzter Schritt erfolgten die richtigen Licht- und Kameraeinstellungen.

Screenshot vom Rekonstruktionsprozess im 3D Programm Cinema4D (Foto: Altertumskommission für Westfalen/Louise Tharandt).

Insgesamt war diese Rekonstruktionsarbeit bei der Altertumskommission für Westfalen sehr spannend und lehrreich. 3D Modelle geben einen neuen Blick auf archäologische Untersuchungen und können helfen, diese einem breiteren Publikum zu vermitteln. Dies nun auch real erleben zu dürfen mit der Übergabe einer Ausstellungstafel, auf dem eine von mir erstellte 3D Rekonstruktionsgrafik zu sehen ist, war ein unglaubliches Gefühl.

Mir ist es wichtig, archäologische Rekonstruktionen zu erstellen, die auf den neuesten wissenschaftlichen Grundlagen basieren, aber gleichzeitig auch der Öffentlichkeit ein Bild der Anlagen oder Gebäuden der Vorzeit geben können.

(Text: Louise Tharandt)

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