Drei Wochen sind nicht genug

23.09.2021 Gastbeitrag

Johannes in ViaDelos auf der Suche nach Hohlwegen (Foto: Altertumskommission/Reck).

... als Praktikant bei der Altertumskommission

Im Rahmen meines Studiums sind Pflichtpraktika zu absolvieren, aber dieses Praktikum war deutlich mehr Spaß als Pflicht. Eine vorher nicht vermutete abwechslungsreiche Tätigkeit hat mich erwartet; dazu wurde ich direkt in das Team integriert und durfte ein eigenständiges Projekt verfolgen. Aber eins nach dem anderen:

Redaktionsarbeit

Im Zuge der Redaktionsarbeit habe ich eine Menge gelernt, von dem ich wünschte ich hätte es bereits vor dem Verfassen mancher Hausarbeit gewusst. So durfte ich Teile einer Promotionsarbeit gegenlesen und habe dadurch ein Jagdgespür für allerlei Fehler entwickelt. Dabei geht es zunächst um verschiedene Arten des Lesens: nach Inhalt, nach Ausdruck und Stil, nach Rechtschreibung und Grammatik sowie nach Typografie und Layout. Allein das Verwenden der richtigen Korrekturzeichen nach DIN 16511 ist eine eigene Wissenschaft. Zudem war das Promotionsthema sehr packend – eine Veröffentlichung erfolgt bald.

Mit Typografie und Layout durfte ich mich besonders auseinandersetzen. In Vorbereitung einer Veröffentlichung aus der Schriftenreihe „Landwehren in Westfalen“ stand das Endlektorat für die Landwehren bei Lemgo an. Für mich bedeutete das ein Verlassen meiner „Microsoft-Word-Komfort-Zone“ und das Kennenlernen von Adobe InDesgin. – Und auch hier gilt: Die Landwehren sind ein inhaltlich packendes Thema.

Bei der Redaktionsarbeit wird aber nicht nur der Rotstift geschwungen, sondern auch an der Onlinepräsenz gefeilt. Mit Adobe Photoshop,  XD und django DMS ist vieles machbar.

Schließlich ist die Mitarbeit in der Redaktion eine sehr gute Schulung der eigenen Eloquenz und rhetorischen Zielstrebigkeit. Begrenzte Wortanzahl, Satzzeichen und Seitenzahlen sind limitierende Faktoren.

Mögliche Hohlwege bei Lichtena, Kreis Paderborn (Quelle: Screenshot ViaDelos-Datenbank/Altertumskommission).

Mitarbeit in der Projektplanung

Ein in vielerlei Hinsicht interessantes Projekt für den Sommer 2022 zu verschiedenen Epochen der westfälischen Vergangenheit befindet sich derzeit in Vorbereitung. Details dazu unterliegen noch der Verschwiegenheitspflicht, aber: An der Entstehung der zugehörigen Videopodcasts durfte ich in einer frühen Phase mitwirken. Hinzu kam die Erkundung geplanter Präsentationsorte und Vorortabsprachen mit dem jeweiligen Management. Dabei stellen sich wichtige Fragen, von: „Wo wollen und dürfen wir präsentieren?“ bis hin zu wesentlichen Details wie: „Ist diese Rampe tatsächlich breit und tragfähig genug?“ Was hier seltsam klingt, wird sich im Sommer 2022 aufklären.

Wegeforschung

Die Wegeforschung ist ein Themenfeld, das in meinem Studium bisher keine größere Rolle gespielt hat. Schade, schließlich geht es um die wesentlichen Aspekte von Mobilität und Kommunikation. Viele archäologische und historische Verbindungen sind deutlich greifbarer, wenn man die tatsächlichen geografischen Wegeverbindungen nachvollziehen kann. Ich durfte hier auf zwei Arten beim Aufbau einer einschlägigen Datenbank mitwirken. Zum einen erfolgte der Übertrag von Wegen und Wegeindikatoren aus der Literatur, zum anderen durfte ich selbst auf die Pirsch gehen. In digitalen Geländemodellen suchte ich nach Anzeichen für Hohlwege.

Hefte aus der Reihe "Frühe Burgen in Westfalen" (Foto: Altertumskommission/Reck).

Frühe Burgen in Westfalen

Die Schriftenreihe „Frühe Burgen in Westfalen“ wurde während meines Praktikums zu „meinem“ Projekt. Die bisher bekannten und in der Schriftenreihe erfassten Burgen in Westfalen haben eine adäquate Online-Präsentation verdient. Dies bedeutete für mich eigenständige Recherche, Aufarbeiten des jeweiligen Forschungsstandes, Erstellen eines Präsentationsschemas, Abstrahieren und Zusammenfassen umfangreicher Informationen und die abschließende Vorlage zur Veröffentlichung. Besondere Herausforderung war dabei, dass manche Burgen wissenschaftlich gerade so erfasst sind und vieles noch im Unbekannten liegt, während andere Burgen gut erforscht sind und die Fülle an Befunden und Funden nahezu erdrückend wirkt.

Fazit

Wer Interesse an einem vielschichtigen, abwechslungsreichen und fachlich herausfordernden Praktikum in der Archäologie hat, der ist bei der Altertumskommission richtig aufgehoben. Von Anfang an durfte ich vollwertiger Teil eines Spitzenteams sein und gleichzeitig ein eigenes Projekt verfolgen. Die vergangenen Wochen vergingen wie im Flug. Auf das Fachgebiet der Archäologie habe ich eine neue Sichtweise gewonnen. Dazu kommen archäologische Hard-Facts für den westfälischen Raum, ein Einblick in die Vorbereitung von Präsentationen und in das wissenschaftliche Lektorat sowie deutlich verbesserte Software-Kenntnisse.

Und was bisher völlig unerwähnt ist: Das Arbeiten in der denkmalgeschützten Speicherstadt Coerde, Zugriff auf die hauseigene Bibliothek, Führung durch das Magazin und ein kurzer Blick über die Schulter der hier beschäftigten Restauratoren der LWL-Archäologie für Westfalen.

Johannes Geist

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