12.12.2019

"Kamera läuft!"

Im November wurde die Fundgeschichte des Megalithgrabs Wewelsburg II für das ZDF inszeniert (Foto: Altertumskommission für Westfalen/L. Kopner).

Dreharbeiten in Wewelsburg

Für einen gewöhnlichen Dienstag ist am 26. November bei Familie Schulte in Wewelsburg viel los. Mutter Eva hat Geburtstag und plant einen Umtrunk mit den Nachbarn, außerdem ist Elternsprechtag. Vor allem aber soll ein Beitrag für das ZDF-Format TerraXpress gedreht werden. Denn vor zwei Jahren entdeckte Sohn Clemens beim Pflügen einen Findling, der Teil eines jungsteinzeitlichen Großsteingrabes war. Im Sommer 2018 war das Grab Gegenstand einer Lehrgrabung der Universität Münster in Kooperation mit der Altertumskommission und der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie (wir berichteten unter https://www.lwl.org/LWL/Kultur/Altertumskommission/blog/grabung-wewelsburg).

Der Beitrag soll keine wissenschaftliche Dokumentation über das Grab werden, sondern die Geschichte um seine Entdeckung erzählen. Dementsprechend werden die Dreharbeiten inszeniert, von der Freilegung des Steins durch den Landwirt Roland Schulte bis zur Planung einer Grabung am Küchentisch. Vor der Kamera stehen Herr und Frau Schulte sowie der leitende Ausgräber Leo Klinke von der Altertumskommission. Im Hintergrund steht Sven Spiong von der Außenstelle Bielefeld für fachliche Fragen beratend zur Seite. Johanna Schulte beruhigt ihre Eltern und kocht Kaffee, Lea Kopner von der Altertumskommission hält den Tag fotografisch fest.

Die ersten Szenen sind relativ schnell im Kasten, die Darsteller atmen auf. Doch dann müssen die Aufnahmen aus verschiedenen Winkeln und Einstellungen mehrmals wiederholt werden, damit später alles dynamisch geschnitten werden kann. Die Gesten müssen stimmen, der Text zumindest inhaltlich gleichbleiben und dann muss man noch aufpassen, nicht direkt in die Kamera zu schauen. Gar nicht so einfach! Dazu kommen wechselnde Ablenkungen wie verletzte Hofkatzen, telefonische und persönliche Geburtstagsgrüße und die erwartungsvollen Blicke der Beistehenden hinter den Kameras.

Das Fernsehteam bleibt gelassen und arbeitet routiniert mit den Laiendarstellern. Zuerst werden die Szenen im Haus gefilmt: das erste Treffen von Familie Schulte mit Leo Klinke, gleich darauf die Nachbesprechung der Grabung. Dafür wechseln wir von der Küche ins Wohnzimmer und alle Darsteller müssen sich umziehen, was zum allgemeinen Trubel beiträgt. Im Wohnzimmer laufen die Arbeiten dann aber schon flüssiger. Leo Klinke zeigt Ergebnisse der Grabung, die Familie Schulte noch nicht bekannt sind. Sie würden gerne jetzt schon mehr erfahren, doch das Fernsehteam möchte erst seine Szenen abdrehen.

Inzwischen ist Clemens Schulte aus der Schule nach Hause gekommen. Er soll gleich auch noch vor die Kamera, schließlich hat er den Findling entdeckt. Während die Szenen mit dem Pflug gefilmt werden, ziehen wir mit Johanna Schulte los, um einen im September entdeckten zweiten Findling freizulegen. Wir haben keine Koordinaten zur Hand, doch mit Johannas Ortskenntnis finden wir den Stein nach wenigen Spatenstichen. Diesen hatten wir im Sommer wieder zugeschüttet, mittlerweile sprießt Weizen auf dem Feld. Es entstehen also realistische Aufnahmen der ersten Freilegung des Findlings, für uns ein echter Glückfall!

Mit dem Einbruch der Dunkelheit sind alle Szenen im Kasten. Ein bisschen Papierkram muss noch geregelt werden, aber auf dem Küchentisch der Schultes steht schon eine Flasche Sekt bereit, als Überraschung für Eva nach dem Elternsprechtag. Nach einem ereignisreichen Tag kann sie nun endlich ihren Geburtstag genießen.

Text: L. Kopner

  • Regieanweisungen in der Küche (Foto: Altertumskommission für Westfalen/L. Kopner).

  • Mit der Zeit lässt die Anspannung nach (Foto: Altertumskommission für Westfalen/L. Kopner).

  • Vater und Sohn vor dem Pflug, durch den damals der Findling gefunden wurde (Foto: Altertumskommission für Westfalen/L. Kopner).

  • Aus Grassoden wird eine höhere Geländekante für die Kamera gebaut (Foto: Altertumskommission für Westfalen/L. Kopner).

  • Auch für das Freilegen des Findlings gab es genaue Regieanweisungen (Foto: Altertumskommission für Westfalen/L. Kopner).


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