Über Stock und Stein...

02.08.2021 Altertumskommission für Westfalen

Die Mitarbeiter:innen der Geschäftsstelle der Altertumskommission beim Wandern (Foto: Altertumskommisson/Reck).

Der Betriebsausflug der AKo 2021

Da im vergangenen Jahr aufgrund der Corona-Pandemie kein Betriebsausflug stattfinden konnte, stand uns in diesem Jahr nicht bloß ein halber, sondern ein ganzer Tag dafür zur Verfügung. Angeboten hat sich da natürlich eine der Wanderungen, die unsere Kollegin Ulrike für ihr neues Buch (Blogbeitrag: Archäologisches Wandern, Teil 1) erstellt hat.

Gemeinsam trafen wir uns wanderbereit und gerüstet mit Hut und Mückenspray am Hauptbahnhof in Münster. Unser Zielort Telgte lag nur eine Station entfernt. Mit sehr viel guter Laune im Gepäck ging es los – immerhin war es auch das erste Mal nach dem langen Lockdown, dass wir (fast) vollzählig zusammenkamen ...

Ulrike leitet die Wanderung mit ihrem neuen Wanderführer (Foto: Altertumskommission/Reck).

Ulrike:

Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass die Kolleg:innen sofort dafür zu gewinnen waren, eine archäologische Rundwanderung aus meinem Wanderführer auszuprobieren. Es war nur gut, dass die anderen die Auswahl der Telgter Rundwanderung übernommen haben, ich selbst hätte mich nicht entscheiden können.

Nach der langen Zeit (fast) ohne Dienstreisen und mit überwiegend digitalen Besprechungen tat es unheimlich gut, gemeinsam an der frischen Luft sein zu können und uns ohne Maske zu sehen. Es hat sich bestätigt, was ich geahnt hatte: Der Teamgeist in der Altertumskommission hat zum Glück nicht unter der Corona-Pandemie gelitten. Aber es fühlte sich fast wie eine Art Notwendigkeit an, besagten Teamgeist auch mal wieder zu erleben. Schade, dass Ute nicht dabei sein konnte. Sie hat uns gefehlt.

Die Strecke selbst war mir noch ziemlich vertraut, obwohl es Monate her war, dass ich sie im Spätsommer 2020 für das Buch abgelaufen bin. Aber andere mit dem eigenen Buch in der Hand zu sehen und zu bemerken wie hilfreich einige Abbildungen darin auch für Archäolog:innen sind, war eine begeisternde und motivierende Erfahrung. Es war ein rundum gelungener Tag!

Felix, Anne und Florian haben in Telgte scheinbar etwas ganz spannendes entdeckt ... (Foto: Altertumskommission/Lammers).

Felix:

Nachdem in diesem Jahr zum wiederholten Mal die große Jahreshauptversammlung der AKo ausfallen musste, war uns der Betriebsausflug eine willkommene Gelegenheit, gemeinsam eine kleine Exkursion zu unternehmen. Ulrikes Wanderführer gab reichlich Anregungen für Ziele in der näheren Umgebung, die Wahl fiel schließlich auf Telgte. Von Münster aus mit dem Zug schnell zu erreichen und mit viel Natur und vor allem einigen Bodendenkmälern ausgestattet, bot unser Nachbarstädtchen ein ideales Ziel. Dank der fachkundigen Führung von Leo entdeckten wir zahlreiche Grabhügel, die sich auf den Sandrücken entlang der Ems in eine bronzezeitliche Nekropollandschaft einreihen.

Die Wachholderheide in den Klatenbergen nutzten wir für einen ersten Zwischenstopp in malerischer Umgebung. Der weitere Weg führte uns zwischen Wald und Feld entlang, dabei querten wir einen preußischen Straßendamm.  Über Nadelbedeckte Pfade erreichten wir schließlich den Emsauenpark, dessen Highlight, ein rekonstruierter Grabhügel mit Prozessionsweg, majestätisch aus dem meterhohen Gras aufragte.

Nachdem wir noch eine Motte und gar eine Immenburg (die im Gegensatz zu Erstgenannter wirklich Insekten beherbergte) im Unterholz ausfindig machen konnten, wurde es Zeit für einen zünftigen Abschluss unserer Wanderung in der Gastronomie am Marktplatz. Gerade noch rechtzeitig vor dem Gewitter ließen wir uns lokale Köstlichkeiten schmecken.

Wanderung durch das Naturschutzgebiet Klatenberge (Foto: Altertumskommssion/Reck).

Anna:

Ulrikes wunderbare Rundtour führte uns einige sportliche Stunden lang über Stock und Stein, durch Wald und Wiesen, Dickicht und Heide; durch eine abwechslungsreiche Landschaft voller archäologischer Zeugnisse – von spannenden steinzeitlichen Grabhügeln, bedeutenden bronzezeitlichen Grabhügeln und erkennbaren eisenzeitlichen Grabhügeln über einen markanten mittelalterlichen Burghügel bis zu einem nachweislichen napoleonischen Hügel – dem Napoleonshügel – nicht zu vergessen lag auch der kuriose Kalvarienhügel auf unserem Weg. Wir begingen oder kreuzten historische Hohlwege, flache Feldwege, widerspenstige Waldwege, fromme Prozessions-, Wallfahrts- und Kreuzwege. Eindeutig ein anregender, anschaulicher und außergewöhnlicher Tag! 

Vor Beginn der Wanderung (solange alle noch frisch sind) noch schnell ein Gruppenselfie (Foto: Altertumskommission/Reck).

Annemarie:

Da ich im vergangenen Herbst erst zum Team der Altertumskommission hinzugestoßen bin, konnte ich noch gar nicht so viel Zeit mit meinen Kollegen und Kolleginnen verbringen, wie ich es gerne hätte. Mein bisheriges „Normal“ waren leider nur sporadische Treffen mit einzelnen Kolleg:innen im Büro, Emails und Telefonate oder Zoom-Meetings. Umso schöner einmal alle zusammen zu sehen.

Durch die Einschränkungen während des Lockdowns konnte ich (eine Fränkin) Westfalen auch noch nicht so eingehend erkunden und so war es tatsächlich mein erster Besuch in Telgte. Dass es richtig nicht TelG-te, sondern TelCH-te heißt, wurde mir noch während der Zugfahrt erklärt.

Gleich hinter der Stadt beginnt das Naturschutzgebiet. Am schönsten war für mich die Wacholderheide, denn Heidelandschaften sind für mich etwas Außergewöhnliches und hinterlassen bei mir ein richtiges Urlaubsgefühl. Bloß schade, dass hier heute keine Schafe unterwegs waren.

Nachdem wir am schönen Ufer der Ems entlang auf unserem Rückweg wieder nach Telgte kamen, wartete noch ein weiterer Höhepunkt auf mich: Denn ich habe meinen schockierten Kolleg:innen gestanden, dass ich noch niemals Herrencreme probiert hatte. Dem musste unbedingt Abhilfe geschaffen werden! So wurde der lustige, sonnige Tag schließlich noch einmal „herrlich“ süß abgerundet.

Zwischen dem dichten Bewuchs suchen die Archäolog:innen nach den Grabhügeln... (Foto:Altertumskommission/Reck).

Leo:

Nach anderthalb Jahren des Social-Distancing, die wir größtenteils im Homeoffice verbracht haben oder uns nur digital über Webcam gesehen haben, erlaubte uns die sich entspannende pandemische Lage endlich einen gemeinsamen Betriebsausflug durchzuführen. Wie es sich für Archäolog:innen gehört natürlich mit archäologischem Schwerpunkt.

Einerseits konnten wir so die traumhafte Wanderroute genießen, andererseits blieben aber natürlich die Fachdiskussionen nicht aus: So analysierten wir die zahlreichen obertätig sichtbaren Grabhügel rechts und links des Weges entsprechend ihres landschaftsarchäologischen Sichtbarkeitspotentials oder auch eine Geländeanomalie, bei der es sich möglicherweise um eine „Immenburg“, also eine kleine Einhegung zum Schutz eines Bienenkorbes, gehandelt haben mag.

Neben der guten Laune und dem merklich gestärkten Teamgeist brachte unser Betriebsausflug also auch eine neu entflammte Fachdiskussion, der es sich künftig zu widmen gilt.

An der Decke der Clemenskirche fanden sich Regenbogen-Ballons (Foto: Altertumskommission/Kopner).

Lea:

Erst kommen zaghafte erste Univeranstaltungen, dann ein gemeinsamer Tag mit den lieben Kolleg:innen der Altertumskommission – auf einmal geht mein Leben wieder los. Nach langen Monaten in den eigenen vier Wänden ist es wie ein Aufatmen, wieder unter Menschen zu sein. Ich genieße es, mich mit allen ein bisschen unterhalten zu können, anders als im Zoom, wo nur einer aufs Mal sprechen kann. Außerdem ist es schön, wieder live an archäologische Fundstätten heranzukommen und direkt einen Pool an Expert:innen dabeizuhaben. Nach drei trockenen Onlinesemestern fällt mir wieder ein, weshalb ich dieses Fach gewählt habe.

Wie Anne war ich auch noch nie in Telgte und bin positiv überrascht. Dass es ein nettes Städtchen ist, hatte ich gehört, aber die vielen Stockrosen an den Häusern erinnern mich an Urlaub in der Normandie. Eine andere Überraschung sind die Regenbogen-Ballons unter der Decke der Clemenskirche: ein Zeichen von Zusammenhalt und Offenheit, das optimistisch stimmt.

Unsere studentischen Volontär:innen Lea und Florian (Foto: Altertumskommission/Lammers).

Florian:

Die Arbeit bei der Altertumskommission als studentischer Volontär ist ohnehin schon sehr abwechslungsreich und macht wirklich Spaß. Was fehlt da noch - richtig, ein gemeinsamer Betriebsausflug! Es ist sehr schön, mit den Kolleg:innen, mit denen man schon die Zeit im Büro oder auf Außenterminen gerne verbringt, auch noch etwas neben der Arbeit zu unternehmen. Wir brachen also zu einer gemeinsamen Wanderung rund um Telgte auf, die alles in allem richtig viel Freude bereitet hat - genau der richtige Mix aus Bewegung, Horizonterweiterung und Freizeitwert. Das anschließende, gemeinsame Essen im Stadtkern von Telgte lieferte den perfekten Abschluss.

Fingerhut entlang des Wanderweges im Naturschutzgebiet Klatenberge (Foto: Altertumskommission/A. Reck).

Ute:

Leider konnte ich aus gesundheitlichen Gründen am Betriebsausflug nicht teilnehmen. Anhand der schönen Bilder und tollen Berichte kann ich mir aber gut vorstellen, wie interessant und harmonisch der Tag war.

Ich wäre sehr gerne dabei gewesen. Dann halt beim nächsten mal.

Gruppenfoto an der Brücke über die Ems (Foto: Altertumskommission/Reck).

Vera:

Endlich nach über einem Jahr Pandemie mit Homeoffice und Zoom-Sitzungen: Mal wieder mit dem AKo-Team etwas gemeinsam unternehmen, und das sogar im Rahmen einer archäologischen Wanderung! Schon morgens fühlte es sich an wie Wandertag früher in der Schule: Wegzehrung für unterwegs in den Rucksack packen und Wasser nicht vergessen. Und habe ich nicht noch irgendwo Kekse? Ach nein, jetzt mal nicht übertreiben, schließlich wollen wir wandern und am Ende wartet ein üppiges Mittagessen in Telgte auf uns.

Ich habe mich sehr gefreut, dass alle Kolleg:innen sofort von der archäologischen Wandertour begeistert waren. Danke an Ulrike, die uns mit ihrem wunderbaren Wanderführer die Vorbereitung abgenommen hat! Nebenbei hatte ich während der Wanderung auch die Gelegenheit, nach zwei Wochen Urlaub zu erfahren, was es neues in den vielen AKo-Projekten gibt. Fazit: ein rundum gelungener Tag!

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  • Die Wanderung startete mit viel guter Laune am Bahnhof von Telgte (Foto: Altertumskommission/Reck).

  • Von da aus ging es ins Naturschutzgebiet Klatenberge vorbei an Grabhügeln (Foto: Altertumskommission/Reck) ...

  • ... und weiter durch die Wacholderheide (Foto: Altertumskommission/Lammers).

  • Weiter ging es durch die Kiefernwälder und Felder, vorbei an Hohlwegen und anderen archäologischen Strukturen (Foto: Altertumskommission/Lammers) ...

  • ... wie den Resten mittelalterlicher Burgen oder bronzezeitlicher Grabhügel bis in den Emsauenpark (Foto: Altertumskommission/Reck).

  • Die Ems präsentierte sich uns in ihrer ganzen malerischen Schönheit (Foto: Altertumskommission/Reck) ...

  • ... und lud uns zu einer kurzen Rast ein (Foto: Altertumskommission/Reck).

  • Nachdem wir in der Altstadt von Telgte eingekehrt sind, machten wir noch eine letzte Station an der Clemenskirche (Foto: Altertumskommission/Reck).