08.07.2021

Erkundungen an der Lippe

Die Volontär:innen der Altertumskommission auf den Weg zur "Burgstätte" und der "Fuchsspitze" (Foto: Altertumskommission/Reck).

Erste Begehungen an der Burgstätte und der Fuchsspitze

An einem Dienstag im Juni brachen wir nach Datteln auf, um die Reste einer Ringwallanlage und eines vermeintlichen Turmhügels an der Lippe auszukundschaften, die als „Burgstätte“ und „Fuchsspitze“ bekannt sind. Im digitalen Geländemodell waren außerdem einige auffällige Strukturen in der Umgebung zu sehen gewesen, die wir gleich mit abklären wollten.

Um zur Wallanlage zu gelangen, folgten wir erst einem Waldweg und passierten danach ein Feld. Bereits im Vorbeigehen sprangen uns durch den Regen der letzten Nacht freigespülte Keramik- und Feuersteinartefakte ins Auge, die wir gleich aufsammelten. Wir ärgerten uns ein bisschen, nicht direkt ein Fundkistchen mitgenommen zu haben. So erreichten wir das eigentliche Ziel unseres Ausflugs mit gefüllten Jacken- und Hosentaschen.

Florian inmitten der ovalen Wallanlage der "Burgstätte" (Foto: Altertumskommission/Reck).

Am Ende unserer Schatzsuche fanden wir in einem Waldstückchen neben dem Acker tatsächlich die Wallanlage. Sie war deutlich zu erkennen, aber leider so überwachsen, dass wir nicht viel mehr als ihre Existenz feststellen konnten. Also widmeten wir uns den Strukturen, die auf dem Geländemodell zwischen Ringwall und Lippe erkennbar gewesen waren. Dort sollte laut Berichten am Rande einer sumpfigen Fläche ein zweigeteilter Hügel liegen, die sogenannte „Fuchsspitze“. Die sumpfige Fläche fanden wir leicht und waren sofort froh, aufgrund des kühlen Wetters alle in langen Hosen und mit Gummistiefeln aufgeschlagen zu sein: In der Senke standen Schilf und vor allem Brennnesseln mannshoch. Nach etwas hin und her beschlossen wir, einem Rehpfad zu folgen, um wenigstens einen Einstieg in den Dschungel zu haben. Mit Stöcken bewaffnet schlugen wir uns durchs Dickicht. Glücklicherweise trafen wir dabei keine Spaziergänger, denn besonders wissenschaftlich sahen wir vermutlich nicht aus. Nach etwa zwanzig Metern und mindestens ebenso vielen Minuten zeigte sich, dass die Aktion ihre Berechtigung gehabt hatte. Der vermutete Hügel lag unter einigen dicken Eichen und war auch heute noch von beeindruckender Größe.

Felix schlägt sich mit einem Stock bewaffnet furchtlos voran durch das Brennnesseldickicht (Foto: Altertumskommission/Reck).

Da uns nun alle das Prospektionsfieber gepackt hatte, begutachteten wir noch einen weiteren Ackerrain auf der anderen Seite der Wallanlage. Hier fand sich plötzlich (außer Meißner Porzellan) keine Keramik mehr, dafür umso mehr Gestein. Neben verschiedenfarbigen Flintstücken fanden wir auch einige etwa faustgroße, rötliche Granite und hellen Kalkstein, sodass wir augenzwinkernd schon von einem Megalithgrab unter dem Acker sprachen. Wonach wir uns aber am häufigsten bückten, war Plastik. Dass kaputte Gegenstände erst auf dem Abfall und dann neben und auf Feldern landen, scheint westfälische Tradition zu sein.

Auf dem Rückweg hielten wir noch auf einer Fläche am gegenüberliegenden Lippeufer. Auch hier hielten wir im deutlich sandigeren Boden nach Funden Ausschau, aber bis auf zwei unbearbeitete Stücke Flint fanden wir überhaupt nichts. Die Siedlungsaktivität scheint also nur auf dem anderen Flussufer stattgefunden zu haben. Der vorher gefundene Hügel hinter der sumpfigen Senke lag eigentlich recht nah an der Lippe, von diesem anderen Ufer aus war er jedoch nur zu erkennen, wenn man wusste, wo man suchen musste. Das überraschte uns, denn von der anderen Seite hatte er wirklich beeindruckend ausgesehen.

  • Mittelalterliche Keramikreste aus dem Umfeld der "Burgstätte" (Foto: Altertumskommission/Jüngerich).

  • Diese vier Keramikscherben können der sogenannten Kugeltopfware zugeordnet werden, die in das 10.-12. Jahrhundert nach Christus datiert (Foto: Altertumskommission/Jüngerich).

  • Im Umfeld der "Burgstätte" konnten mehrere Abschläge aus Flint aufgelesen werden (Foto: Altertumskommission/Jüngerich).

Für eine erste Besichtigung der Fundstelle haben wir schon viel Interessantes entdeckt und werden die Fläche im Auge behalten. Die den Umständen entsprechend große Ausbeute an Keramik ermöglicht es uns beispielsweise, die Anlage schon etwas genauer zu datieren. Als nächstes stehen Gespräche mit den verantwortlichen Landwirten an, um eine strukturiertere Begehung zu vereinbaren, idealerweise auf einem frisch gepflügten Feld. Wir hoffen, so noch mehr Funde zu machen, was aufgrund der bisherigen Ergebnisse sicherlich gelingen wird – es bleibt also spannend!

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Kategorien: Methoden · Burgenforschung · Bei der Arbeit

Schlagwort: Burgenforschung