12.04.2021

Gebackenes Wissen

Einblicke in die Recherchearbeit (Foto: Altertumskommission/Brieske).

Praktikum bei der Altertumskommission für Westfalen

Vor 80 Jahren wurde in der Speicherstadt Münster Brot gebacken, heute lagert hier kein Getreide mehr, sondern Fundstücke und Bücher und vor allem ganz viel Wissen. Das Hygienekonzept war damals vermutlich nicht so streng wie heute.

Es ist Corona Pandemie und ich brauchte noch ein Praktikum für meinen Bachelor. Während ich schon halb am Verzweifeln war, ließ sich die Altertumskommission von den widrigen Bedingungen nicht abhalten und ermöglichte es mir.

Natürlich waren die Grundbedingungen nicht ideal, aber schon bevor ich das erste Mal arbeiten war, wurde mir klar, dass man sich hier sehr bemühen würde, das Beste aus der Situation zu machen. Auch wenn ich nicht die Gelegenheit hatte, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirklich kennenzulernen, so fühlte ich mich doch in diesem Team gleich sehr willkommen.

Die Altertumskommission von Westfalen gibt es seit fast 125 Jahren, und im Laufe dieser Zeit hatte sie ganz unterschiedliche Aufgaben. Aber seit Beginn spezialisiert sie sich darauf zu forschen und das angesammelte Wissen dann zu verbreiten. Das tut sie unter anderem durch eigene Veröffentlichungen.

Passend dazu wurde mir gleich zu Anfang ein roter Stift in die Hand gedrückt (natürlich frisch desinfiziert!) und ich durfte Artikel Korrektur lesen, die im kommenden Band der Reihe Archäologie in Westfalen-Lippe über die Arbeiten des vergangenen Jahres informieren. Der erste Beitrag handelte dabei gleich von Latrinen …

Texte zu korrigieren, die man nicht selbst geschrieben hat, ist einfacher und schwerer zugleich. Einfacher, weil man mehr Abstand zum Text hat und schwerer, weil man den anderen Schreibstil respektieren sollte. Auf alle Fälle war die Arbeit in der Redaktion sehr lehrreich, da man geschult wird, Texte bewusster zu lesen, sich auf die Rechtschreibung zu besinnen und typische Fehler zu erkennen. Das wird mir sicherlich beim Schreiben von eigenen Texten in Zukunft sehr helfen.

Als Nächstes bekam ich ein Heft der Reihe Frühe Burgen in Westfalen, das noch nach der alten Rechtschreibung verfasst wurde, um das Gelernte auf die Probe zu stellen. Damit ich auch erfahre, wie es weitergeht im Prozess der Veröffentlichung, durfte ich eben dieses Heft in InDesign druckreif in Form zu setzen. Dazu gehörten auch das Bearbeiten und Einfügen von Abbildungen und die Gestaltung des Covers.

Um Wissen zu vermitteln, muss man schließlich wissen, was es überhaupt gibt und dann überlegen, was man wie am besten präsentieren kann. Daher war meine zweite große Aufgabe im Praktikum die Recherche.

Eine kleine Führung durch die Bibliothek unter dem Dach offenbarte dabei nicht nur viele interessante, wissenschaftliche Publikationen, sondern auch den historischen Charakter des Gebäudes. Bewaffnet mit Büchern durfte ich dann eigene Überlegungen anstellen, welche Funde oder Fundplätze ich für ausschlaggebend und anschaulich genug halte, um sie etwa auf Social Media vorzustellen. Damit habe ich einen umfangreichen Überblick über die archäologische Arbeit in Westfalen bekommen und bin wieder ganz besonders neugierig, was sich direkt vor meiner Haustür in der Vergangenheit so abgespielt hat.

Die Recherche war Teil der Vorbereitung auf das 125-jährige Jubiläum der Altertumskommission nächstes Jahr. Ich will gar nicht verraten, was hier im Geheimen an Ideen „gebacken“ wird, aber der Blick in die Zukunft, den ich erhaschen konnte, zeigt mir, dass man sich hier ganz tolle Gedanken gemacht hat.

Zum Abschluss durfte ich noch mit der Grafikdesign-Plattform Canva experimentieren, wie man Social Media Posts gestalten könnte und lernte den Umgang mit Datenbanken.

Zwischen Redaktionsarbeit, Recherche und Social Media Marketing habe ich also vieles gelernt, das man im ersten Moment gar nicht mit dem Berufsfeld ‚Archäologie‘ verbinden mag. Schließlich hält sich der Glaube, Archäologen würden nur mit der Schippe und dem Pinsel in der Erde nach Scherben suchen. Aber wenn die archäologische Arbeit da aufhört, dann würden andere ja nie erfahren, was sich in unserem Boden so alles versteckt.

Damit verabschiede ich mich aus der Altertumskommission und gehe mit ganz viel Wissen nach Hause. Frisch gebackenem Wissen, sozusagen.

Mareen Averbeck

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  • Die Bibliothek unter dem Dach (Foto: Altertumskommission/Averbeck).

  • Die Vergangenheit als Getreidespeicher lässt sich noch erkennen (Foto: Altertumskommission/Averbeck).


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