12.12.2019

Digitale Konservierung im Regen

Studentischer Volontär Felix Faasen fotografiert die Wandsteine des Grabes aus allen Richtungen (Foto: Altertumskommission für Westfalen/V. Brieske).

Im November wurde das Megalithgrab Atteln I in Lichtenau aufgenommen

Nachdem die Altertumskommission für Westfalen im Juli ihre Virtual Reality App zum Großsteingrab Große Sloopstene bei Lotte-Wersen präsentieren konnte, ging es im Herbst mit der digitalen Konservierung weiter. Dafür wurden bereits die kleinen Sloopsteene bei Lotte-Halen und das Galeriegrab in Soest-Hiddingsen fotografisch festgehalten, um auch von ihnen später dreidimensionale Modelle erstellen zu können.

Am 28.11. nahmen wir uns das letzte Megalithgrab für dieses Jahr vor. In Lichtenau-Atteln trafen sich Leo Klinke, Vera Brieske, Felix Faasen und Lea Kopner von der Altertumskommission mit Sven Spiong und Sophia Lippe von der Außenstelle Bielefeld und Matthias Preißler von der Stadt Lichtenau am rekonstruierten Großsteingrab Atteln I. Sonst kümmern sich die studentischen Volontär*innen der Altertumskommission allein um die Aufnahme, doch in Atteln war eine kleine Pressekonferenz geplant und so kamen wir in größerer Besetzung. Die vielen helfenden Hände kamen uns gelegen, denn vor dem Fotografieren musste am Grab einiges getan werden. Die Anlage liegt zwar auf freiem Feld, doch von den umliegenden Bäumen hatte sich viel Laub zwischen den Steinen gesammelt und musste entfernt werden. Genauso stand es um zu hohe Gräser und den zum Teil dichten Moosbewuchs der Steine. In der ehemaligen Grabkammer fanden sich außerdem einige Bierflaschen, das Grab ist unter den Jugendlichen in der Gegend ein beliebter Treffpunkt.

Wir Archäolog*innen waren wetterfest ausgerüstet, doch für die Pressevertreter hatten wir zur Sicherheit einen Pavillon dabei. Zum Glück, denn es war echtes Novemberwetter mit Wind und reichlich Regen. Nachdem die Fragen der Presse beantwortet waren, ging es an die eigentliche Arbeit. Nach dem Einmessen der Anlage ins GPS wurde jeder Stein aus möglichst vielen Richtungen fotografiert. Um sicherzustellen, dass alle Bilder mit der gleichen Brennweite gemacht wurden, hatten wir das etwas altersschwache Objektiv an den anderen Gräbern mit Panzerband fixiert. Das hatten wir diesmal allerdings nicht dabei und mussten uns daher mit dem Inhalt des Verbandskastens behelfen, was erstaunlich gut funktionierte.

Dennoch war die Aufnahme im strömenden Regen zäh. Ein Lichtblick waren da die Brötchen, die von der Pressekonferenz übriggeblieben waren. Nach einer Mittagspause im Bully ging es gestärkt und ein wenig gewärmt weiter. Nun standen wir vor einer neuen Herausforderung, denn an einem Ende des Grabes ist die ursprüngliche Hügelschüttung über den Steinen rekonstruiert. Durch die Böschung der angrenzenden Straße war es gar nicht so leicht, diese vollständig ins Bild zu bekommen. Dafür konnten die freiliegenden Wandsteine vom Hügel aus sehr gut abgelichtet werden, was an den anderen Gräbern so nicht möglich war.

Nach getaner Arbeit brauchten wir noch ein Bild für das Cover des nächsten „Megalithgräber in Westfalen“-Bandes, der sich mit dem Grab in Atteln beschäftigen wird. Nach den vielen technischen Bildern war es eine willkommene Abwechslung, genau ein Bild möglichst ansprechend zu inszenieren. Wie gut das gelungen ist, wird sich spätestens beurteilen lassen, wenn der Band zum Megalithgrab in Atteln erscheint.

Text: L. Kopner

  • Das rekonstruierte Megalithgrab Atteln I (Foto: Altertumskommission für Westfalen/V. Brieske).

  • Im Trockenen wurde vorab die genaue Vorgehensweise besprochen (Foto: Altertumskommission für Westfalen/V. Brieske).

  • Das Objektiv wurde mit allem fixiert, was der Kofferraum hergab (Foto: Altertumskommission für Westfalen/V. Brieske).

  • Von der Hügelrekonstruktion aus ergab sich ein guter Blick auf die übrigen Wandsteine (Foto: Altertumskommission für Westfalen/V. Brieske).

  • Welche Steine schon fotografiert waren, wurde auf einer Skizze festgehalten (Foto: Altertumskommission für Westfalen/V. Brieske).


Kategorien: Hinter den Kulissen · Methoden · Megalithik · Bei der Arbeit

Schlagwort: