Das Megalithgrab zählt zu den Ganggräbern, die von den Trägern der Trichterbecherkultur in der Jungsteinzeit – etwa zwischen 3500 und 2800 v. Chr. – errichtet wurden. In den historischen Quellen wird die Anlage erstmals bereits im Jahr 1672 erwähnt. Doch die Jahrhunderte hinterließen deutliche Spuren: Während 1968 noch zehn Steine des Grabes dokumentiert waren, blieben bis zum Projektstart 2017 nur noch zwei große Findlinge und ein kleineres Fragment in einer Böschung entlang des Radwegs erhalten.
Ein neuer Erinnerungsort für das Großsteingrab von Westerkappeln-Seeste
Das Großsteingrab von Westerkappeln-Seeste im Kreis Steinfurt stand bereits 2017 im Fokus unserer Forschungen im Rahmen des Megalithik-Projekts. Ziel dieses Vorhabens ist es, die Megalithgräber Westfalens wissenschaftlich neu zu erfassen, zu erforschen und sie anschließend der Öffentlichkeit mit modernen Methoden zu präsentieren. Mit der Aufstellung zweier neuer Informationselemente konnten dieses Anliegen für den Standort Seeste nun erfolgreich vollendet werden.
Dieser Umstand brachte besondere Herausforderungen mit sich: Wie präsentiert man ein Großsteingrab, von dem vor Ort nicht mehr als ein paar Findlinge übrig geblieben sind? Um diesem Umstand gerecht zu werden wurde nicht auf eine Rekonstruktion der Grabanlage gesetzt, sondern eine bewusste Installation als Erinnerungsort angestrebt. Graf Georg Ludwig Friedrich Werner zu Münster-Langelage, der das Grab im 19. Jahrhundert untersuchte, beschrieb, dass sich die Anlage ursprünglich auf einer Sanddüne befand. In Anlehnung daran wurden die verbliebenen Findlinge nun auf einer kleinen Sandschüttung aufgerichtet. Und auch die Umrandung des Erinnerungsortes nimmt Bezug auf das Grab. So wurden dafür Muschelkalksteine aus nahegelegenen Steinbrüchen ausgewählt. Dieses Gestein wurde bereits während der Zeit der Trichterbecherkultur genutzt um die Zwischenräume zwischen den Findlingen zu verschließen. Vervollständigt wird die Anlage durch mehrere Sitzgelegenheiten und natürlich den zwei Infoelementen der Firma Helterhoff GmbH in Form nachgebildeter Megalithen. Die Finanzierung des Projekts stemmte der Kultur- und Heimatverein Westerkappeln e.V. mithilfe einer Förderung durch das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes NRW.
Am 22. August 2026 wurde die Anlage im Rahmen eines Aktionstags des Kultur- und Heimatverein Westerkappeln e. V., der sich seit vielen Jahren intensiv für die Realisierung des Projektes eingesetzt hat, offiziell eingeweiht. Die Feierstunde stieß auf großes öffentliches Interesse. Die Vereinsvorsitzende Brigitte Mutert-Breidbach konnte rund 150 Besucherinnen und Besucher in Seeste begrüßen.
Dr. Wieland Wienkämper von der Geschichtswerkstatt des Heimatvereins erläuterte in seinem Vortrag ausführlich die Bedeutung des Grabs für die Menschen in der Jungsteinzeit. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Umsetzung eines solchen Projekts damals wie heute nur als Gemeinschaftsaufgabe zu bewältigen ist. Ein besonderer Dank gilt den zahlreichen Akteuren, die maßgeblich zur Umsetzung des Projekts beigetragen haben. Dazu gehört das Bauteam unter der Leitung von Ulrich Dölemeyer und Rainer Nietiedt. Ein besonderer Dank geht zudem an Anke Niedermowwe, die für das Vorhaben das notwendige Grundstück zur Verfügung stellte und damit die Realisierung erst ermöglichte.
Nach einem passenden musikalischen Beitrag von Axel Gerdes und Gerrit Baumann auf Steinen und Trommeln nahmen Dr. Wieland Wienkämper, Dr. Ingo Pfeffer von der LWL-Archäologie für Westfalen (Außenstelle Münster) und unsere Geschäftsführerin Dr. Vera Brieske die feierliche Enthüllung der neuen Informationselemente vor.
Mit dieser Erschließung reiht sich nun auch das Großsteingrab von Seeste in die europaweite Kulturstraße „Megalithic Routes“ ein und erweitert das westfälische Teilstück – den „Weg der großen Steine“ - um eine neue Etappe.
Wer tiefer in die archäologischen Details und die Forschungsgeschichte dieses Großsteingrabs eintauchen möchte, findet ausführliche Informationen auf unserer Internetseite und in dem von Kerstin Schierhold verfassten Heft Nummer 2 unserer Reihe „Megalithgräber in Westfalen“.