QGIS oder: Der alltägliche Kampf mit der Technik

08.03.2022 Ulrike Steinkrüger

Eine wiederkehrende Fehlermeldung bei CloudCompare (Screenshot: Altertumskommission/U. Steinkrüger).

Dass Sichtfeldanalysen in der Wegeforschung gewinnbringend eingesetzt werden können, hat mir das Korrekturlesen von Leo Klinkes Dissertation gezeigt. Davon inspiriert hatte ich 2020 bereits für den archäologischen Wanderführer für das Münsterland eine Sichtfeldanalyse vom Landwehrturm in Beckum machen lassen, die tolle Ergebnisse bezüglich einer alten Wegsperre erbracht hatte. Dabei war mir der Kollege Ingo Pfeffer von der LWL-Archäologie für Westfalen behilflich. Schnell wurde mir klar, dass ich das selbst können muss. Denn vielfache Berechnungen mit jeweils veränderten Parametern, besonders was die ehemalige Höhe des entsprechenden Landwehrturms angeht, versprechen weitere interessante Ergebnisse. Dafür kann ich nicht jedes Mal den armen Ingo bemühen.

In der Altertumskommission steht uns die kostenfreie Software QGIS zur Verfügung, mit der ich das „Unternehmen Sichtfeldanalysen“ durchführen wollte. Das kann ja nicht so schwer sein: Ein paar Klicks hier und dort und fertig ist die Analyse. Leo hat mir den Einstieg erleichtert. Wild mitschreibend entstand eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für das Erstellen einer Rasterdatei des digitalen Geländemodells mit der Software CloudCompare und für das Reinladen und Analysieren des Modells in QGIS. Toll! Ganz einfach! Die kleineren Hürden, die sich mir in den Weg stellen würden, würde ich locker meistern.

Hürde 1: Mein Büro-PC hat mir ziemlich sofort und klar verständlich gemacht, dass ihm das zu viel Arbeit ist. Da gab es keine Diskussionen oder Tricks. Ich musste einsehen, dass ich die Berechnungen an Leos PC machen muss, wenn der Arbeitsplatz gerade von niemandem gebraucht wird. Klitzekleine Schwierigkeit: Leos PC ist der einzige in der AKo, der größere Berechnungen schafft und erfreut sich daher gewisser Beliebtheit.

Für die neue QGIS-Version brauche ich kein CloudCompare mehr.

Hürde 2: Eine Fehlermeldung, die immer und immer und immer wieder auftaucht – egal wie sehr ich mich an meine Anleitung gehalten habe. Auch Leo konnte sich den Fehler nicht erklären. Aber dranbleiben! Davon lasse ich mich nicht unterkriegen. Eine Kollegin brachte mich auf eine neue Spur: „Nimm‘ doch die neuere Version von QGIS und lade die Geländemodelle dort direkt hinein.“ Danke Esther! Nun wird es bestimmt ganz einfach … und bei den Probedateien von geringem Volumen stimmte das auch.

Hürde 3: Kennen andere das auch? Ich mache einen Test mit belanglosen Probedaten. Alles klappt. Dann nehme ich die relevanten Daten und es gibt bei denselben Einstellungen eine Fehlermeldung? Das ist zum Tastaturanbeißen! Das Verschmelzen der einzelnen Kartenkacheln zu einer Rasterdatei klappt einfach kein zweites Mal.

Sichtfeldanalyse der Beckum-Soestwarte, Ausschnitt (Kartengrundlage: Land NRW [2020] – Lizenz dl-de/zero-2-0; Bearbeitung: LWL-Archäologie für Westfalen/I. Pfeffer).

Hürde 4: Eine QGIS-Schulung muss her. Die Chefin, die Verwaltung, die Personalabteilung, alle sind einverstanden. Aber das dauert natürlich. Sie wird für das 1. Quartal 2022 geplant. Aber in meinem eigentlich gar nicht mehr jugendlichen Leichtsinn und in dem am Ende des 2. Absatzes anklingenden Anfall von Überoptimismus habe ich einen Fachartikel zu Sichtfeldanalysen von den Landwehrtürmen in Beckum angemeldet. Abgabetermin: 28.2.2022. Das wird knapp. Also: Selbst ist die Frau. Zudem ist meine Motivation, das trotz aller Hürden zu schaffen, ungebrochen. Es folgt ein Corso durch YouTube und alle auffindbaren QGIS-Tutorials, bei denen ich sehr viel lerne. Aber mein eigentliches Problem wird ganz anders gelöst: Ich installiere QGIS 3.22 auf meinem privaten Notebook und – oh Wunder! – es funktioniert. Sofort. Ohne Fehlermeldung.

Hürden 5–X: Das Gefühl, dass QGIS ein sehr kommunikatives Programm ist, das mich fast mit jedem gemeinsamen Arbeitstag zu verbal ausgleitender Interaktion provoziert, lässt mich die folgenden Wochen nicht los. Immer ist etwas Anderes: Test-Sichtlinien fehlen, bei denen ich auch ohne Computer sagen kann, dass sie da sein müssen, weil Kurzsichtigkeit nicht zu den einstellbaren Parametern von QGIS gehört, der Maßstab lässt sich nicht in die Abbildung einfügen, obwohl das laut Tutorial nur zwei Klicks sind und, und, und.

Aber inzwischen habe ich gelernt: Das ist alles zu lösen und jede Problemlösung führt zu mehr Motivation. Es macht so viel Spaß, wenn es dann endlich klappt und das Ergebnis vor mir liegt. Und tatsächlich: Ich habe es geschafft! Die Geduld und Zähigkeit der Archäologin haben im alltäglichen Kampf gegen die Technik gesiegt. Der Artikel ist samt der zugehörigen, mit QGIS erstellten Abbildungen fertig und pünktlich abgegeben. Und mein neues Verhältnis zu QGIS hat sich bereits herumgesprochen und Kolleg:innen anderer Abteilungen fragen mich bei Problemen. Damit bin ich bestens vorbereitet auf die Schulung im April!

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  • Fehlermeldungen die nicht in den Wahnsinn treiben, ...

  • ... machen zumindest stark. (Fotos: Altertumskommission/U. Steinkrüger).