12.05.2021

Von Akten, Arbeitseinsatz und Altmetall

Die Ausbeute an Funden fiel leider eher mager aus (Altertumskommission/F. Jüngerich).

Über eine Ortsbegehung und ihr ernüchterndes Ergebnis

Die Transkription der Burgenakten der Altertumskommission aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert bietet weiterhin die Chance, vielversprechende (Wieder)Entdeckungen zu machen. So stieß ich bei meiner „Übersetzungsarbeit“ im Homeoffice unlängst auf eine interessante kleine Anlage bei Dorsten-Hervest, deren nähere Betrachtung lohnend erschien. Es stellte sich nämlich heraus, dass nicht wirklich viel darüber bekannt war.

Nach einer Überprüfung der vorhandenen Sonderakte, des digitalen Geländemodells und einem kurzen Besuch der Anlage vor Ort war ein Entschluss gefasst: Hier sind nähere Untersuchungen nötig! Abgesehen von einer Vermessung in den 1980er-Jahren war die Struktur bisher nicht weiter erforscht worden und über die Art oder das Alter der vermeintlichen Burgstelle gab es keinerlei Anhaltspunkt. Um zumindest letzteres zu klären, schien eine systematische Begehung des kleinen Geländedenkmals und seiner Umgebung mit einer Metallsonde sinnvoll.

Nachdem die Genehmigung der LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Münster, für diese Maßnahme eingeholt worden war, wendete ich mich also an zwei lizensierte Sondengänger, mit denen ich bereits eine andere vermeintliche Burgstelle begangen hatte. Die beiden waren auch sofort mit im Boot und ein Geländetermin – natürlich unter Beachtung der geltenden Regeln – war schnell vereinbart. Die Freude und die Erwartungen waren groß, da Außeneinsätze momentan leider ziemlich selten durchgeführt werden können.

Die beiden lizensierten Sondengänger sind eifrig bei der Arbeit (Foto: Altertumskommission/F. Jüngerich).

Wir trafen uns also in Dorsten und starteten nach einer kurzen Lagebesprechung voller Elan mit der Arbeit. Schnell erfasste die Metallsonde erste Objekte, die sorgsam geborgen wurden. Manche Fundstücke konnten direkt als moderner Schrott identifiziert werden, andere versprachen allerdings mehr: Sie wurden eingemessen und für eine nähere Betrachtung mitgenommen – unter anderem einige Objekte, die Beschlägen und Münzen ähnelten. Die für uns uninteressanten Metallstücke wurden hingegen anschließend entsprechend entsorgt.

Nach einer Mittagspause mit frisch gekochtem Kaffee konnte eine erste Zwischenbilanz gezogen werden: fünf Eimer voller Altmetall und Glas, ein Karton mit noch näher zu untersuchenden Objekten. Wir starteten also in die zweite Tageshälfte, fest das Ziel vor Augen, jetzt endlich den großen Fund zu machen, oder zumindest einen kleinen, der eindeutig als „alt“ anzusprechen war.

Tatsächlich konnten wir am Nachmittag unsere größten Funde verbuchen: Ein alter Motorradsattel, das Speichenrad eines Kinderwagens sowie einen halben Meter Kupferrohr. Ein wenig enttäuscht beendeten wir also die Begehung, natürlich mit der Hoffnung, dass sich der erwünschte Schatz unter den eingemessenen Objekten befindet. Leider stellte sich bei der näheren Untersuchung eben dieser heraus, dass die vermeintlichen Beschläge nur irgendwelche Altmetallstücke und die meisten vermeintlichen Münzen zwar immerhin Münzen waren, es sich aber vornehmlich um D-Mark Stücke handelte. Immerhin: Eine Münze konnte als preußisches 2 Pfennig-Stück identifiziert werden, welches 1823 geprägt wurde – zwar etwas älter, aber bei weitem nicht alt genug, um etwas über die Datierung der Anlage auszusagen.

Es lässt sich also abschließend festhalten, dass leider keine neuen Erkenntnisse über die vermeintliche Burgstelle gewonnen werden konnten. Einzig die heutige Nutzung des Ortes als Treffpunkt, mutmaßlich der Dorfjugend, für das gemeinsame ungestörte Genießen einer bekannten Kräuterspirituose konnte anhand von mindestens 30 Aluminiumdeckeln und Flaschenresten eindeutig nachgewiesen werden.

Aber auch das gehört zum Archäologendasein. Manchmal werden die Erwartungen an eine Maßnahme enttäuscht. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Projekt in Dorsten-Hervest gleich verworfen wird. Die Suche nach neuen Erkenntnissen zur Burgstelle geht weiter!

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Kategorien: Methoden · Burgenforschung · Bei der Arbeit

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