15.07.2020

Wo ist die Wallanlage?

Vom Hinweis im Archiv zur Entdeckung im Gelände

Archäologie spielt sich längst nicht mehr nur im freien Feld ab. Die Arbeit am Schreibtisch hat ebenfalls einen hohen Stellenwert. Allerdings ist auch längst nicht alles ausschließlich im trockenen Büro bequem von drinnen machbar. Dies wurde mir bei meiner Arbeit im Homeoffice unlängst wieder ins Gedächtnis gerufen, als ich mich mit alten Fundmeldungen auseinandersetzte. Es ging genauer gesagt um eine Wallanlage bei Billerbeck, über die keine detaillierten Angaben herauszufinden waren. Die Fundmeldung war allerdings bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfasst worden.

Der Forschergeist war geweckt und es ging nun daran, die Anlage zu lokalisieren. Ich wollte mir vor Ort ein Bild davon machen, wenn ich schon nichts Näheres dazu von daheim aus auftreiben konnte. War meine Entdeckung überhaupt noch nach so langer Zeit im Gelände aufzuspüren? Im digitalen Geländemodell wurde ich nach einiger Zeit schließlich fündig: Das ringförmige Gebilde war noch relativ gut zu erkennen – obwohl seit der mir vorliegenden Beschreibung bereits etwa 150 Jahre vergangen waren.

Nun war der Entschluss gefasst, bei nächster Gelegenheit die Wanderstiefel aus- und die Kamera einzupacken. Nach kurzer Wanderung durch die Felder vor Billerbeck war die grobe Stelle erreicht und es galt, den Wall zu finden. Zugegebenermaßen gestaltete sich das nicht ganz so einfach, wie es das digitale Modell andeutete. Das Gebilde befindet sich, wie sich herausstellte, nämlich in einem Buchenwäldchen und ist teilweise von einem mehr oder weniger dichten Gestrüpp überwuchert. Allerdings ist es glücklicherweise noch gut sichtbar.

Die Gegebenheiten machten es mir nicht leicht, den Wallverlauf zu verfolgen. Genauso gestaltete sich das Fotografieren des Walles im relativ dunklen und dichten Waldstück sehr schwierig. Den richtigen Winkel für ein deutliches Foto zu treffen war fast genauso unmöglich, wie bei dem schummerigen Licht ein gut erkennbares Foto aufzunehmen. Hatte ich eine Stelle mit halbwegs vernünftigem Licht gefunden, standen zu viele Bäume im Weg. Gab es einen freien Blick auf den Wall, war es viel zu dunkel. Am Ende meines Kamerafilms – ich weiß, etwas altmodisch, aber eine gute Kamera mit Film war mir lieber als meine Handykamera – war ich mit den Aufnahmen, soweit ich diese vor dem Entwickeln des Films beurteilen konnte, doch halbwegs zufrieden. Mit einigen Kratzern an Armen und Beinen, aber dennoch glücklich, trat ich den Heimweg an und konnte es kaum erwarten, die Fotos entwickeln zu lassen.

Ich kann voller Stolz sagen, dass mir doch ein paar gute Aufnahmen gelungen sind. In wesentlichen Zügen ist es mir anhand der Fotos möglich, das Gebilde in seinem Aussehen und Verlauf zu beschreiben. Doch gestaltet es sich wohl für jeden, der den Wall nicht mit eigenen Augen gesehen hat, nahezu unmöglich, es mir gleich zu tun. Das ist mir doch aufgefallen, als ich mit Kollegen über die Fotos gesprochen habe. Oftmals habe ich nur staunende Blicke und zaghafte Nachfragen erhalten.

Es hat sich also gezeigt, dass die eigene Nachforschung im Gelände nicht ausschließlich durch digitale Modelle oder Recherche am Schreibtisch zu ersetzen ist. Es ist und bleibt für die Archäologie unabdingbar, das heimische Büro zu verlassen und selbst auf Spurensuche zu gehen. Genauso sollte jeder, der ein Geländedenkmal erkundet, bedenken, wie schwierig es für andere, die nicht an der Begehung teilgenommen haben sein kann, anhand von Fotos die eigenen Entdeckungen nachzuvollziehen. Wie sieht es mit Ihnen aus? Können sie anhand der Fotos nachvollziehen, was ich zu vermitteln versucht habe?

(Text: Florian Jüngerich)

  • Digitales Geländemodell der Anlage als Grundlage der Lokalisation (Quelle: GeoBasis NRW 2020).

  • Aufnahme des nordwestlichen Abschnitts der Anlage (Foto: Altertumskommission für Westfalen/F. Jüngerich).

  • Dieselbe Aufnahme, nur mit eingezeichneten HIlfslinien, um die Strukturen besser sichtbar zu machen (Foto/Bearb.: Altertumskommission für Westfalen/F. Jüngerich).

  • Aufnahme des nördlichen Wallabschnitts. Auch hier ist es schwer, das Foto richtig zu deuten (Foto: Altertumskommission für Westfalen/F. Jüngerich).

  • Die eingezeichneten Hilflinien erleichtern auch hier die richtige Deutung der Befunde (Foto/Bearb.: Altertumskommission für Westfalen/F. Jüngerich).

  • Aufnahme der Lücke im Südwesten der Wallanlage. Die Strukturen sind für alle, die nicht an der Begehung teilgenommen haben, nahezu nicht zu erkennen (Foto: Altertumskommission für Westfalen/F. Jüngerich).

  • Dank der Hilfslinien wird die Befundsituation deutlich besser erkennbar (Foto/Bearb.: Altertumskommission für Westfalen/F. Jüngerich).


Kategorien: Burgenforschung · Bei der Arbeit · Was gibts neues?

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