Internationales Sachsensymposion in Aberdeen: Castri Westfalaorum in Schottland
11.09.2026
Vera Brieske
Das Projekt der Altertumskommission zu den frühmittelalterlichen Burganlagen in Westfalen zieht nun internationale Kreise: In der vergangenen Woche sind Florian Jüngerich, Vera Brieske, Eva Cichy und Ulrich Lehmann zum 77. internationalen Sachsensymposion nach Aberdeen gereist.
-
Aberdeen Impressionen: Provost Skene’s House von 1545, ältestes Haus in Aberdeen (Foto: Altertumskommission für Westfalen/Vera Brieske).
-
Logo vom Sachsensymposion Aberdeen (Grafik: Internationales Sachsensymposion).
Bei dieser jährlich in verschiedenen Ländern stattfindenden Konferenz der „Internationalen Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der Sachsen und ihrer Nachbarn“ treffen sich Kolleginnen und Kollegen aus Universitäten, Museen, Denkmalpflege und Forschungsinstitutionen, deren wissenschaftlicher Fokus die Archäologie des ersten Jahrtausends nach Christus ist. 1949 in Cuxhaven als eine Art Arbeitskreis für damals nur wenige deutsche Sachsenforscher gegründet, ist die Arbeitsgemeinschaft auf mittlerweile mehr als 240 Mitglieder aus Großbritannien, Belgien, Niederlande, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Polen, Estland und Litauen angewachsen.
-
King’s College (Foto: Altertumskommission für Westfalen/Florian Jüngerich).
-
Kings College, Innenhof , mit (v.l.) Eva, Cichy, Florian Jüngerich und Ulrich Lehmann (Foto: Altertumskommission für Westfalen/Vera Brieske).
Im altehrwürdigen King’s College in Aberdeen stellte Florian Jüngerich zusammen mit Eva Cichy exemplarisch unsere aktuellen Forschungen zur Hohensyburg und zur Eresburg vor. Das Burgenprojekt mit seinem Fokus auf die frühmittelalterlichen Anlagen zur Zeit der Sachsenkriege Karls des Großen passte perfekt zum Tagungsthema „War: What is it Good for? Conflict and Defence in Roman Iron Age and Early Medieval Europe“ und Florians souverän auf Englisch vorgetragene Präsentation erhielt sehr viel positive Resonanz. Burgen werden zum Teil auch in anderen Ländern intensiv beforscht und so ergab sich ein bereichernder Austausch mit den Tagungsteilnehmenden.
-
Florian beim Vortragen (Foto: Altertumskommission für Westfalen/Vera Brieske).
-
An den Vortrag anschließende Diskussion mit Florian und weiteren Kolleg*innen (Foto: Altertumskommission für Westfalen/Vera Brieske).
Auch bei der Exkursion zu frühgeschichtlichen „archaeological sites“ gab es Burgen zu sehen, wie die piktische Befestigungsanlage Burghead nordöstlich von Inverness, wo die schottischen Kollegen ihre Forschungen vor Ort vorstellten. Außerdem wurden mehrere piktische Bildsteine aufgesucht wie der berühmte Maiden Stone bei Inverurie (8./9. Jh.) mit einem „pictish beast“ und frühchristlichen Symbolen oder der mit mehr als 6 m beeindruckend hohe Sueno’s Stone bei Forres mit Kampfszenen auf der einen Seite und einem keltischen Kreuz auf der anderen.
-
Burganlage in Inverurie, eine Motte des 12. Jhs. (Foto: Altertumskommission für Westfalen/Florian Jüngerich).
-
Maiden Stone, ein piktischer Bildstein mit frühchristlichen Symbolen und „pictish beast“, 8./9. Jh. (Foto: Altertumskommission für Westfalen/Vera Brieske).
-
Quelle bei Burghead Fort, piktische Befestigung, ca. 400–800 n. Chr. (Foto: Sachsensymposion).
-
Gruppenbild am piktischem Bildstein "Sueno’s Stone" (Foto: Gordon Noble).
Zu einem Sachsensymposion gehören neben zahlreichen Fachvorträgen, Postern und der Exkursion auch Social Events. In Aberdeen begann das Symposion am ersten Abend gleich mit einem Empfang beim Lord Provost, einer Art Oberbürgermeister und zugleich offizieller Vertreter des britischen Königs vor Ort. Der letzte gemeinsame Abend ist traditionell dem Conference Dinner vorbehalten, das in der ehrwürdigen Elphantine Hall des King’s College stattfand. Ein Höhepunkt war der anschließende Ceilidh mit gemeinsamen Tänzen zu schottischer Musik. Mit mehr oder weniger Talent, aber vor allem mit unglaublich viel Spaß, tanzten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Universitätsprofessor bis zur Studentin bis zur völligen Erschöpfung nach den Anweisungen einer schottischen Musikgruppe.
-
Empfang in der Town Hall beim Lord Provost of Aberdeen (Foto: Altertumskommission für Westfalen/Vera Brieske).
-
Conference Dinner (Foto: Sachsensymposion).
-
Aufstellung zum Ceilidh (Foto: Annette Siegmüller).
Zurückgekehrt sind wir mit zahlreichen neuen Erkenntnissen und Eindrücken, bereichert von inspirierenden Gesprächen und anregenden Begegnungen. Im nächsten Jahr geht es nach Tampere in Finnland. Auch dort werden wir wieder westfälische Forschungen präsentieren.