Der Verein »Megalithic Routes« zu Gast in Herne

11.05.2022 Annemarie Reck

Die Mitglieder des Vereins 'Megalithic Routes' in der Sonderausstellung zu Stonehenge im LWL-Archäologie-Museum in Herne (Foto: AKo/Reck).

Internationaler Verein kommt zur Tagung

Am 28. und 29. April 2022 durfte die Altertumskommission für Westfalen (AKo) die anderen Mitglieder des internationalen Vereins »Megalithic Routes« zur diesjährigen Tagung im LWL-Museum für Archäologie in Herne willkommen heißen.

Megalithic … , was?

Der Verein betreut die 2013 entstandene Europäische Straße der Megalithkultur, die zu den Kulturrouten des Europarates zählt. Wissenschaftler, Museen, Tourismusexperten und Geoparks aus Dänemark, Schweden, England, Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Italien, Portugal, Spanien und jüngst auch der Türkei haben sich zusammengeschlossen, um die in weiten Teilen Europas verbreiteten megalithischen Bauten zu schützen, ihren kulturellen Wert zu vermitteln und sie touristisch zu erschließen.

Die AKo ist seit März 2015 Vereinsmitglied und arbeitet im Moment daran, die westfälischen Großsteingräber der Trichterbecherkultur und der Wartbergkultur als »Weg der großen Steine« an die Kulturstraße anzuschließen. (Zum Blogbeitrag: Erste Etappen auf dem Weg der großen Steine)

Nach dem Besuch der Ausstellung wurde im LWL-Museum für Archäologie in Herne getagt (Foto: AKo/Reck).

Der Besuch der Stonehenge-Ausstellung

Der Anlass für den internationalen Besuch und Herne als Tagungsort, war die aktuelle Sonderausstellung »Stonehenge – Von Menschen und Landschaften« im Museum. Zur Begrüßung erhielten die Mitglieder des Vereins eine englische Führung von Dr. Brigitta Hübner und Tabea Malter. Highlight der Ausstellung sind dabei nicht nur die eindrucksvollen 1:1-Repliken der bekannten Steine, sondern auch die neuesten Forschungsergebnisse des Ludwig Boltzmann Instituts zu dem Denkmal und seinem Umfeld. Ausgewählte Funde und virtuelle Rekonstruktionen aus Westfalen – zu denen die AKo wesentlich beigetragen hat – schlagen dabei die Brücke zur den hiesigen Megalithkulturen und verbinden sie somit zu einem europäischen Phänomen. Ganz wie es auch die Absicht des Vereins »Megalithic Routes« ist.

Paul Kalinowski erzählt von der technischen Umsetzung einer 3-D-Rekonstruktion anhand historischer Fotografien (Foto: AKo/Reck).

Die »Megalithic Routes« vernetzen sich

Wege führen zusammen. Darum war es dem Verein eine besondere Freude, gleich drei neue Mitglieder, Alto Tejo aus Portugal, Ayuntamieto de Trigueros aus Spanien und die Şanliurfa Tourismusentwicklung aus der Türkei, aufnehmen zu können. Der Verein wächst und wird dabei immer internationaler und facettenreicher.

Der Abend wurde mit zwei Vorträgen beschlossen. Frank Both und Paul Kalinowski aus Oldenburg sprachen von dem Potential historischer Fotografien für die 3-D-Rekonstruktion der archäologischen Ausgrabung eines Megalithgrabes. Kerstin Schierhold und Leo Klinke, beide ehemals Leiter des Megalithikprojekts der AKo, berichteten von den Ähnlichkeiten und Unterschieden der beiden megalithischen Nachbarn, der Wartbergkultur und der Trichterbecherkultur, und welche Möglichkeiten virtuelle Archäologie bei der Erforschung dieser Denkmäler bietet.

Lea Kopner erzählt den Mitgliedern von dem Großsteingrab Düwelsteene bei Heiden (Foto: AKo/Reck).

Von der Steinzeit zu den Römern

Am nächsten Tag ging es mit den Vereinsmitgliedern zu den Düwelsteenen bei Heiden. Erster Blickfang waren natürlich die neu aufgestellten Infoelemente in Form großer Findlinge, die den »Weg der großen Steine« kennzeichnen. Lea Kopner, die das Megalithik-Projekt der Ako im Herbst weiterführen wird, erzählte gemeinsam mit Kerstin Schierhold von dem Großsteingrab der Trichterbecherkultur.

Die Düwelsteene bergen nämlich eine interessante Geschichte – nicht bloß, weil laut Volksmund der Teufel selbst die Steine hier hat liegen lassen. Die Findlinge des Grabes wurden 1932 bei nicht dokumentierten Restaurierungsmaßnahmen nämlich stark verändert und regelrecht umgestellt, nach dem Bilde, wie man sich ein ordentliches Megalithgrab vorgestellt hatte. Um die ursprüngliche Form dieses jungsteinzeitlichen Bauwerks rekonstruieren zu können, hatte die AKo das Citizen-Science-Projekt »Stein für Stein zurück in die Vergangenheit« ins Leben gerufen. Daraufhin durchstöberten viele Heidener ihre Fotoalben und ermöglichten es so, dass der ursprüngliche Zustand des Grabes 2021 im Virtuellen wiederhergestellt werden konnte. (Zum Blogbeitrag: Hier bleibt kein Stein auf dem anderen)

Jannike Rieckesmann erklärt den Mitgliedern wie bei der Rekonstruktion des römischen Lagertores vorgegangen wurde (Foto: AKo/Reck).

Nächster Programmpunkt war ein Stopp im LWL-Römermuseum Haltern am See. Zwar haben die Römer bekanntlich viel und gerne mit Stein gebaut; Megalithiker waren sie darum jedoch nicht. Da jedoch auch die Touristik und die Geschichtsvermittlung für die »Megalithic Routes« wichtig sind, war es für unsere Gäste nicht weniger interessant. Von den Römerlagern, die hier einmal standen, zeugte außer Verfärbungen im Boden und einzelnen Fundstücken eigentlich nichts mehr. Jannicke Rieckesmann führte uns durchs Museum und zeigte uns, was durch die Arbeit der Archäologie wieder sichtbar gemacht werden konnte: mehrere römische Militärlager. Am eindrucksvollsten stellt sich dies an der über 150 m langen 1:1-Rekonstruktion des Westtores und eines Teils der Holz-Erde-Mauer des einstigen Hauptlagers im Außenbereich dar. Aktuell wird daneben das Wachhaus an seinem Originalstandort wiedererrichtet, das zum ersten Römer-Escape Room Deutschlands werden soll.

Danach ging es schon wieder zurück nach Herne und wir mussten unsere Vereinsmitglieder verabschieden. Wir hoffen, dass sie ihren Besuch in Westfalen genossen haben und auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr!

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  • Die Stonehenge-Ausstellung in Herne ist noch bis zum 22. September 2022 zu sehen (Foto: AKo/Reck).

  • Das Megalithgrab Düwelsteene bei Heiden (Foto: AKo/Reck).

  • Die Infoelemente in Form von Findlingen sind das Erkennungsmerkmal des neuen Teils der Kulturroute (Foto: AKo/Reck).

  • Kerstin Schierhold präsentiert das Ergebnis des Citizen-Science-Projekts an den Düwelsteenen: den ursprünglichen Grundriss mit veränderter Ausrichtung (Foto: AKo/Reck).

  • Gruppenfoto vor dem Megalithgrab Düwelsteene (Foto: AKo/Reck).

  • Die Rekonstruktion des Westtores und der Holz-Erde-Mauer des römischen Hauptlagers in Haltern am See (Foto: AKo/Reck).